Bolswert, Schelte Adamsz.


1586 - 1659

Name: Bolswert, Schelte Adamsz.
Namensansetzungen: Bolswert, Schelte de (Andere Schreibweise)
Bolswert, Schelte van (Andere Schreibweise)
Bolswert, S. à (Andere Schreibweise)
Nationalität: NL
Lebensdaten: 1586 - 1659
Geburtsort: Bolsward (Friesland), Niederlande
Todesort: Antwerpen, Belgien, 12.12.1659
Beruf: Kupferstecher


Bolswert, Schelte (auch Bolswart, Schelte Adamsz.; Bolswert, Schelte à, de oder van), Kupferstecher, *um 1586 Bolsward/Friesland, †12.12.1659 Antwerpen als "seer godtvreesende jonckmann". Jüngerer Bruder des Boëtius B. Am 22.4.1611 in Amsterdam urkdl. nachgewiesen; 1617 als Mitarb. der Officina Plantiniana in Antwerpen geführt; hält sich regelmäßig in Brüssel auf, läßt sich 1628 in Antwerpen nieder, wo er 1625 als Mitgl. der Lukasgilde eingetragen wird. Seine künstler. handwerkl. Ausbildung in Holland, die hervorragend gewesen sein muß, erfuhr B. in der Werkstatt seines Bruders Boëtius B. Nachdem B. vermutlich mit diesem in die südl. Niederlande übersiedelt war, stach er in seiner Frühzeit Blätter nach David Vinckeboons und arbeitete Ill. für Bücher. Er wurde gegen 1628 mit Peter Paul Rubens bekannt, dessen Werke und insbesondere Landschaftsdarstellungen er in Nachstichen verbreitete. Eine enge Zusammenarbeit B.s mit Rubens setzte erst nach dem Tod seines Bruders 1633 ein. Eine kontinuierliche Mitarbeit im Rubens-Atelier hingegen ist nicht gesichert. Es wurde ein auf Eigenständigkeit bedachtes Verhältnis vermutet, da nur wenige der Stiche nach Rubens auch mit dessen Privilegien versehen wurden. Der größte Teil seiner Stiche nach Rubens – bes. die Landschaften – wurde erst nach dessen Tod gefertigt oder zumindest herausgegeben. Zahlr. Stiche nach Rubens und anderen Künstlern gab B. mit eigenem Privileg heraus. B. arbeitete als Reproduktionsstecher nach Gemälden bes. des Jacob Jordaens und Anton van Dyck sowie nach Erasmus Quellinus, Gerard Seghers, David Vinckeboons, Abraham van Diepenbeeck und Theodor Rombouts. B. widmete seine Blätter entsprechend dem neueren Stecherprivileg hohen Persönlichkeiten, zumeist Geistlichen, wie etwa dem Antwerpener Kanoniker und Bruder des Anton van Dyck, Theodor Walmannus. In den Jahren 1630 bis 1645 wurden zahlr. relig. Stiche B.s durch Martinus van den Enden in Antwerpen verlegt. Neben Vorstermann und Pontius gehörte B. ab A. der 20er Jahre zu den besten Stechern, die für Rubens gearbeitet haben. B.s Kupferstiche sind zum Höhepunkt der Reproduktionsgraphik nach zeitgen. Meistern des 17.Jh. zu rechnen. Die Blätter, die die gesamten Möglichkeiten zwischen betont korrektem Nachstich (Bekehrung Pauli nach Rubens) und Umformung und Abänderung des Vorbildes (Wunderbarer Fischzug nach Rubens) zeigen, erheben Anspruch auf eigenständige Geltung und wurden hoch geschätzt (so betrug z.B. das Honorar für B.s Stich nach Quellinus' Einzug des Erzherzogs Leopold Wilhelm 2.500 Gulden). Die Arbeiten B.s zeichnen sich stilistisch durch ihren lichtdurchfluteten zeichner. Vortrag aus, der mit Hilfe scheinbarer Leichtigkeit der Stichelführung und einer Modellierung, die Strichelungen, Punkte, schönlinig gebogene Kreuzlagen und eine sehr variable Dichte der Strichlagen verbindet, erreicht wird. B. gelingt eine breit nuancierte Skala von Hell-Dunkelwerten, die der Nachahmung des Malerischen entgegenkommt. B.s Stiche sind ausschließlich mit dem Grabstichel gearbeitet. Andere Techniken, etwa die Rad., sind für B. nicht bezeugt. Das Übertragungsverfahren vom Gemälde zum Stich ist für B.s Arbeiten nach Rubens sehr gut nachvollziehbar. Stichvorlagen der Rubensnachstiche können teilweise Rubens selbst zugeschrieben werden, stammen aber häufig auch von Ateliermitarbeitern (z.B. van Dyck). Gelegentlich orientierte sich der Nachstich nicht am originalen Gemälde, sondern an Repliken (Der Schloßpark oder Pastorale Landschaft). Die enge Zusammenarbeit von Rubens mit seinem Nachstecher B. dokumentiert ein von Rubens mit dem Pinsel überarbeiteter Probedruck der Madonna am Brunnen. Eine Gemäldefassung des Themas ist nicht bekannt, so daß es sich um eine direkte Stichkonzipierung handeln könnte. Vorlagen werden durchgeriffelt und – thematisch bedingt – mitunter seitenverkehrt auf die Platte übertragen, um dem Gemälde seitenrichtig zu entsprechen (Löwenjagd). Neben Stichen in zwei Platten mit mittiger Naht fertigte B. einen dreiteiligen Stich aus einer Mittelplatte und zwei schmalen seitlichen Platten nach Rubens' Wunderbarem Fischzug. Bereits die Stichvorlage zeigt einen ähnlichen Aufbau: eine mittlere Zchng, die zu beiden Seiten durch farbige Ölskizzen ergänzt wurde. Dieses Verfahren ist Teil einer für Rubens vielfach bezeugten Tendenz, alte Komp. neu zu überdenken und durch nachträgliche Ergänzung und Neukonzeption – hier des Stiches gegenüber dem Gemäldevorbild – zu neuen Formulierungen zu finden. B.s umfangreiche Aufnahme profaner Thematik ist ungewöhnlich. Bes. die 20 Blätter nach den sog. kleinen Landschaften aus den versch. Schaffensperioden des Rubens (ab ca. 1635 oder 1638, verlegt bei Martin van den Enden bis 1645) und fünf Blätter nach den "großen Landschaften" (ed. von Gillis Hendricx nach dem Tod von Rubens) heben sich aus B.s Gesamtwerk heraus. Daneben verdienen die Rubens-Nachstiche mit Marien-Thematik sowie Blätter zum Eucharistie-Zyklus (z.B. Die vier Evangelisten nach Rubens' Auftrag für das Madrider Klarissinnenkloster) Hervorhebung. Neben selteneren mytholog. Darst., zumeist nach J.Jordaens, existieren 17 Porträtstiche, davon die Mehrzahl nach A. van Dyck.


Letzte Aktualisierung: 10.08.2018


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